Quellrock OpenAir '19

Burgruinen und ein Freudenberg!

Es war ein Heimkommen der Extraklasse. Normalerweise, das heisst während rund 49 Wochen im Jahr, ist die Ruine Freudenberg samt Burghügel in Bad Ragaz ein Ort der Ruhe, des Friedens und der Einkehr. Seit über 800 Jahren tront dieses Wahrzeichen von Bad Ragaz über dem Dorf. Mit der Ruhe ist es jedoch spätestens dann vorbei, wenn 4000 Festivalgänger auf einen Schlag am Burghügel auftauchen. Spätestens dann, einmal im Jahr weiss man, dass das Quellrock Openair während rund zwei Tagen Einzug hält.

 

Ein Openair, welches übrigens seit bereits rund 40 Jahren existiert. Hast du das gewusst? Ich persönlich hätte nie gedacht, dass dieses Festival bereits so lange existiert. Das unebene Gelände stellt die Crew jedes Jahr aufs Neue vor eine Herausforderung. Es stellt sich als Besucher schnell heraus, dass Sich dank dem professionellen Know-How und den vielen Helfern alles Wünschenswerte an Speis und Trank auf dem Festivalgelände finden lässt. So findet man Catering-Küche und exotische Food- und Bier-Stände. In der Mitte des Geländes an den Burgmauern tront eine Hauptbühne und eine hübsche Nebenbühne (nachstehend Startrampe genannt), welche Gross und Klein zum verweilen und hinhören einlädt. Es lässt sich in den Burgruinen nicht nur verweilen, es lässt sich auch abtanzen, mitsingen und feiern auf dem Freudenberg. Das Festival startete vergangenen Freitag, dem 21. Juni mit Floren, rockte weiter mit Paplo Infernal und hiphoppte zu vielen Erinnerungen mit den Berner Urgesteinen der Chlyklass. Flogging Molly gab uns eine irische Prise Power Rock und bei Klischée ging es mit Elektroswing weiter. Danach liess es sich übrigens in einer der zwei mit viel Liebe dekorierten Bars weiter in die Nacht hinein tanzen. An Drinks und guter Laune fehlte es bestimmt nicht!

Am Samstag performte die noch ganz junge Chiara Loreen auf der Hauptbühne. Professionell wie ein alter Hase gab sie ihr Können zum Besten. Sehr bewundernswert...

 

Es folgten Acts wie Pinguins und Ikan Hyu. Zwei junge freche Züri-Girls, welche im Duo perfekt zusammen harmonierten und ihren Elektropop um die Burghügel und Ruinen schwingen liessen. Es folgte Folk Rock vom jungen Kruselkopf namens Kaufmann und danach unser Stimmwunder schlechthin, der berühmte Marius Bear.

Es sei ihm eine Freude, wieder auf dem Burghügel zu sein und man fühle sich wie zu Hause im Appenzell, steckte er mir zu, als ich ihn in der Menge antraf. Die perfekte Kombination: das Publikum als bodenständige Frohnatur, und ein Künstler zum Anfassen.

Nicht zu vergessen ist die Startrampe, auf der Rivers Edge, Anatina, American Blend , Ava und No Future performten. Guter und startklarer Nachwuchs zum Anfassen!

Zurück zur Hauptbühne. Dort performte Marius auch im strömenden Regen. Die Bühne war zum Glück für Sänger und Band überdacht und die Festivalbesucher waren inzwischen in ihre Regenschütze verschiedenster Art gehüllt. Um 20.15 Uhr gings mit Dabu Fantastic dann definitiv in das Abendprogramm und die kunterbunte Gutelaune-Band liess sich trotz aller Technik-Problemen nicht so leicht aus dem Konzept bringen. Sehr zur Freude ihres Publikums.

Die Stimmung war gut und wurde noch besser, als der Altmeister des Hiphops und Schweizer Mundart-Rap Bligg die Bühne betrat. Er liess das Publikum allerdings etwas warten, ob dies mit der Technik zu tun hatte? Die Festivalbesucher liessen sich jedoch nicht beirren und feierten zu seinen Songs euphorisch und singend mit. Einem frivolen Abend stand nichts mehr im Weg. Ein Profi-Musiker, der eben weiss wie’s geht. Leider holte er bei mir auch diesen Abend keine Sympathiepunkte ab, so wechselte ich nach einiger Zeit meinen Standort zur Bar. Sei es seine Ausstrahlung oder die schweizer Prozigkeit, welche er zu zelebrieren scheint. Zu wenig persönlich, sorry Bligg..

Als Schlussact des Abends, weit nach Mitternacht, folgten die Schweizer Pigeons on the Gate, ein Mix aus Folk und irischen Happy-Rock? Jedenfalls definitv Musik zum mitrocken und feiern. Mich erinnerte es sogar etwas an mittelalterliche Klänge, welche natürlich perfekt zum Ambiente des Quellrock Openairs passten.

Die rockigen Klänge, die tanzenden Besucher, die laut mitsingenden Fans trägt die Burgruine jedes Jahr mit stoischer Gelassenheit. Die Kulisse mit den Bergen im Hintergrund, atemberaubend. Oh ja, ein Besuch in Bad Ragaz und der Ferienregion Heidiland lohnt sich auch hier einmal mehr!

"Ist der Rundturm wieder in magisch-farbigen Rauch gehüllt, die Burgmauern mit Scheinwerfern angestrahlt, ist wieder das Quellrock Openair angesagt."