m4music - musik kultur par excellence

Die perfekte kombination einer musik konferenz, eines festivals & einer demotape clinic . ein muss für jeden musikliebhaber!

german review, March '19

Die Festivalsaison ist eingeläutet. Rund 6000 Musikfans besuchten vom 14. bis 16. März 2019 die 22. Ausgabe des Popmusikfestivals m4music des Migros-Kulturprozent. An der Conference nahmen über 1000 Fachleute aus der Musikbranche teil. Asbest aus Basel gewann den Hauptpreis «Demo of the Year 2019» des Nachwuchswettbewerbs Demotape Clinic, weitere Awards gingen an Cobee aus Bern, La Colère aus Genf und Quiet Island aus Genf. Diese Info vorab.

Nun, einige kennen es schon lange und gehören zum m4music Urgestein, andere haben das äusserst nennenswerte Festival, welches mit einer Musikkonferenz und einer Demotape Clinic kombiniert ist, noch nie besucht. Ich selber besuchte das Festival zum vierten mal und schildere anbei einige möglichst objektive Eindrücke zu einem zweitägigen Musiktraum, der sich das vergangene Wochenende im bekannten Schiffbau Zürich ereignet hat und hoffe, dem Festival dabei gerecht zu werden.

So begann mein "Journey" am vergangenen Freitag. Das erste mal war ich offiziell als Liviesnotes.com dabei und fühle ich mich sehr geehrt, über das Festival berichten zu dürfen. Um einen kurzen Überblick zu schaffen, ist das Festival so aufgebaut, das tagsdurch die Konferenz mit diversen Podiumsdiskussionen in den verschiedenen Räumlichkeiten stattfinden. So zum Beispiel in der Box, im Moods und der Matchbox. Ich durfte an verschiedenen Diskussionen teilnhemen. So zum Beispiel an der Demotape Clinic Pop, bei der diverse Bands ihre Demos einreichten. Die besten Künstler durften dann auf die Bühne, ihre Songs wurden von der Jury geprüft und es wurden und Inputs sowie Kritik verteilt.

Mich persönlich überzeugten die fünf Jungs von Raincoast, welche mir mit ihrer Musik den LA vibe vermittelten. Das Duo Frieda hat ihren ganz eigenen Style, auf kroatisch gesungene Lieder, das Ganze mit Synthi und Cello begleitet. Somit stellte sich heraus dass sie mehr World Music und Folk Songs machen, welche weniger dem Genre Pop zugeteilt werden können. Die Message allgemein der Jury war es, das die Schweiz aufhören sollte, selbst mit ihrer Musik kontrolliert und dosiert zu sein, der Mut aufzufallen vielen fehlt und man sich getrauen sollte, mehr mit der Musik zu experimentieren. Mein Geheimtipp hier, Soybomb. Gediegene Musik welche mich spontan an die 90er erinnerte. Sie überzeugten mit ihrem Stimmarrangement und dem Refrain.

 

Mein persönliches Highlight war die Songwriting Session am Nachmittag mit vier äusserst talentierten und erfolgreichen Songwriterinnen. Eine davon war Valeska Steiner aus der Überfliegerband BOY - welche mit "Little Numbers" den grossen Durchbruch erreichten und an diversen Festivals und auf Tour waren, eine Frauenband, welche übrigens beim Label von Herbert Grönemeyer unter Vertrag steht. Eine weitere Schweizer Musikgrösse in der Session war  KT Gorique aus der Westschweiz, welche mit ihrem Rap und sympathischen Wesen die Herzen der Hiphopfans höher schlagen lässt. Die aus dem Wallis stammende Rapperin fing bereits als Kind spielerisch an, Rhymes zu produzieren und beschloss mit 12 - 13 Jahren, dieses professionell aufzuziehen. Ihr Ziel war es auch, die Einflüsse ihrer afrikanischen Heimat mit der Schweizer Kultur zu verbinden. Dazu arbeitet sie gerne mit jamaikanischen Beats und versucht, möglichst viele Leute mit ihrer Musik abzuholen. Improvisation gehöre bei ihr dazu, meinte sie lachend.

Des weiteren hatten wir die kanadische Songwriterin Laurell Baker mit an der Session, welche bereits Hits für Girls Generation - Lil'touch , Omi&Felix Jaehn - Masterpiece  und Luca Hännis She got me komponiert. Sie gab bereits diverse Songwriting Workshops, war jahrelang in LA tätig und wohnt nun in der Schweiz. Zum äusserst gutaussehenden "Urgestein" der Songwriterinnen kommen wir hier zu Shelly Peiken, welche schon seit über dreissig Jahren Songwriting betreibt und unter anderem Hits wie Christina Aguilera's "what a girl wants" und "Bitch" von Meredith Brooks geschrieben hat. So gaben die Damen dann wichtige Songwriting Tipps und beschrieben ihre Inspirationswege. Die Abschlussfrage der Diskussion war, ob es ein gutes Pattern für einen Song gäbe? Ganz klar, sagten die vier Damen.

- ein spezieller Frame des Songs müsse geschaffen werden, welcher universal und frisch töne

- Melodien seien ganz wichtig und müssen genug eingängig sein

- Evolution und Trend mitgehen - es ist wie bei der Mode

- Devise "same but different"  - dies gilt auch beim Song Design und dem Aufbau.

So die Tipps der Songwrite-Meisterinnen, welche wir an diesem Tag vermittelt bekamen.

Weiter gings für mich mit der Musikjournalismus 2020 Diskussion, welche ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. Dabei stellten sich Grössen wie Linus Vokmann, Buchauthor und Popjournalist, Ane Hebeisen, selbständiger Musikjournalist, Miram Lenz des Blogs Rockette und Musikjournalistin bei Keystone STA sowie der jüngste der Runde, Tibor Kiss - Generation Z Experte, Schubkraft Bern, gegenüber.

Es wurde wild diskutiert und Meinungen dazu ausgetauscht. Die Quintessenz waren dabei wohl folgende: Der Mainstream und die Popkultur haben sich bereits vor zwanzig Jahren angefangen, sich zu verändern. Der Musikjournalismus hinkt dieser Entwicklung noch etwas nach. Der Bedeutungsverlust des Journalisten durch das Ersetzen mit Internet und dadurch auch die Krise in der Musikindustrie wurde thematisiert. So ist heute der Musikjournalismus wieder ein Nischenprodukt, das jedoch nur für ein paar wenige funktionieren kann. Printausgaben ziehen nicht mehr da heute alles mehr oder weniger online über die Bühne geht. Der Musikjournalismus muss mehr Inititativen eingehen und Trends mitmachen. So braucht es auch unbedingt Musik-Influencer und mehr Frauen in der Branche des Musikjournalismus, welche wohl bis heute nicht weniger vorhanden sind - jedoch einfach weniger bekannt sind als die Männer der Branche. Ich hoffe, das sich das unter anderem mit Liviesnotes.com und diversen anderen tollen Frauen im Musikjournalismus verändern wird. Der Musik Journalismus muss neu aufgebaut werden und mit Musikern muss der Dialog erfolgen, so könne eine neue Art Journalismus entstehen, wurde an der Diskussion besprochen.

Insgesamt fanden an diesem Tag rund zehn verschiedene und zu freiem Eintritt Konferenzen, Masterclasses, Podiumsdiskussionen statt. Je nach Thema, welches einen interessierte, konnte man entsprechend an demjenigen teilnehmen. So verpasste ich die äusserst interessante Spotify Masterclass, welches beschrieb, wie die Streaming Gewohnheiten sind und welche Musik am meisten gehört wird. Und ihr würdet nicht glauben das dies Deutscher Rap (!) ist, welcher aufgrund seiner Frauenfeindlichkeit selten wenn überhaupt im Radio gespielt wird.

Der Freitag Abend stand ganz im Sinn der Musik. So konnte man sich (mit Tickets dieses mal) Manillio, Black Sea Dahu, Mighty Oaks, Jessiquoi, BAS, Wolfman, Kettcar, Dendemann, Wolfman, Larkin Poe und Petit Noire zu Gemüte führen bis man im Exil neben diversen DJ's in die Afterparty rutschte. Ja, so schnell kann das m4music vorüber sein!

Der Samstag forderte wieder meine ganze Aufmerksamkeit denn bereits am Vormittag traf sich die Musikszene am legendären Businessbrunch im Moods, an dem sich Bands, Medien, Lables, Künstler und Veranstalter austauschen konnten. Danach respektive Zeitgleich starteten auch am Samstag die Konferenzen tagsüber. So konnte man an der Demotape Clinic Rock fünfzehn Bands präsentieren, die sich zuvor qualifiziert hatten. Auch hier erfolgte das nötige Jury Feedback und Bands wie Asbest, Gina ÉtÉ und Service Fun qualifizierten sich. Bei der Diskussion der European Hotspots stellten sich nationale wie internationale Festivals vor. So das Greenfield Festival, das Rockomotives Festival in Vendome (FR) und manch andere.. Es fanden diverse andere spannende Sessions statt, wie zum Beispiel auch die Demotape Clinic Urban, Berthold Seliger und seinem Wissen fröhnte ich während rund einer Stunde, er gab dabei seine Keynote zum Monopoly im globalen Konzertgeschäft zum besten. Unglaublich spannend, nicht sicher ob ich alles aufsaugen konnte was der weise Mann von sich gab, jedoch fühlte sich mein Kopf danach wie ein Schwamm an, was ich als positiv betrachte! Um fünf Uhr Abends sorgten dann Gaccobo & Deville mit ihrer Demotape Notaufnahme Show für die nötigen Lacher und Victor gab sein Können als Gin Tonic Mixer zum besten! Obwohl ich Comedy kritisch bin kann ich euch diese Session wärmstens empfehlen!

Die Awardshow folgte um neunzehn Uhr Abends, welche pünktlich stattfand und schnell über die Bühne ging, wenn auch relativ unspektakulär. - die Gewinner präsentiere ich später in diesem Bericht! So spielten draussen inzwischen scoh die Mighty Bombs, La Nefera, Cobee, the Two - sagt mal ehrlich- warum spielen die Zwei immer noch draussen und sind nicht auf einer grösseren Bühne? Sie sind einfach zu gut! , und Black Tropics zum Abschluss, alles Gratis und äusserst erlebenswert für die ganze Familie!

Time for some Music und so ging es fliessend weiter ins Abendprogramm! Henry Jamison, Steiner&Madlaina, Paper-Cutz, Long Tall Jefferson, Kelvyn Colt, DAgobert, Cyril Cyril, Gus Dapperton und noch viele mehr gabs zu hören. Meine Highlights : A-WA, welche in der grossen Halle spielten. Ich kann mir fast nicht anmassen, diese Band in ein Genre zu stecken. A-WA ist eine israelische Band bestehend aus den drei Schwestern Tair, Liron and Tagel Haim. Die Band ist vor allem für ihren Song Habib Galbi bekannt geworden, in dem sie jemenitische, traditionelle Musik mit Elektro- und Hip-Hop-Beats unterlegen.Was für ein unglaublicher mix! Die drei Schwestern, aufgewachsen im Arava-Tal in Südisrael, gehören zu einer jüngeren Generation der Mizrachim, die sich auf ihr „orientalisches Erbe“ zurückbesinnen.

Nao ist natürlich eine absolute Soul-Grösse welche an dieser Stelle nicht vergessen werden darf.

Die mit bürgerlichen Namen getaufte Neo Jessica Joshua wuchs im Osten Londons auf und lernte als Kind Klavier spielen. Später begann sie mit dem Singen und nahm an der Guildhall School of Music and Drama Unterricht in Jazzgesang. Sie machte ihren Abschluss und arbeitete mehrere Jahre als Gesangslehrerin.

Daneben war sie auch als Backgroundsängerin unter anderem für Kwabs und Jarvis Cocker aktiv und sang sechs Jahre lang in der Girlgroup The Boxettes. Schließlich begann sie, eigene Musik zu machen. Ab 2014 veröffentlichte sie Songs bei SoundCloud. Das Lied So Good brachte ihr viel Aufmerksamkeit im Netz, es wurde bei BBC Radio 1 gespielt und kam in die Electronic-Charts bei iTunes. Sie bekam daraufhin auch ein Labelangebot, entschloss sich aber zu Veröffentlichungen in Eigenregie. Nun tourt sie durch diverse Länder und beglückt ihr Publikum mit dieser speziellen Prise Soul, Dance und viel RnB! In den USA erreichte Nao Platz 8 der R&B- und Platz 3 der Dance/Electronic-Charts.

Die Kleine energiegeladene Künstlerin überzeugte uns mit ihren Hits wie "If you ever", "Make it Out alive", "Happy" und "we don't give a" und ist absolut hörenswert! Ja, sogar als Photografin hatte ich meinen Fan Moment als ich vorne bei der Bühne war - I admit I am only human haha!

Nach meinem Marathon der Photographie - bei dem ich auch das Konzert von Steff la Cheffe besuchte, welche absolut mit ihrem Rap, Ihrer Hingabe und Girl Power überzeugte -  lustigen Gesprächen mit den Securitys in der Halle, welche mich inzwischen kannten, sollte ich dann einen zweiten und sehr unerwarteten Fanmoment mit den TEMPLES erleben. Ich wurde darauf vorbereitet, dass diese eine in die wilden Siebziger zurückkathapultierene Band seien, welche Beatles-Rock machen würden. Ich sehe das jedoch etwas anders. So hauten die absolut perfekt auf sich abgestimmte Band ursprünglichen Rock vom Feinsten raus - so viel Power, die ich ihnen nicht gegeben hätte als ich sie backstage fotografieren durfte. Ich habe dabei den Verdacht auf strenge Band-Diät wenns so etwas gibt, denn die vier jungen Herren sind alle Gertendünn wenn ich dies so nennen darf;)! Spielt hier aber keine Rolle, denn ihre Musik klingt aus Ansicht eines LA Surferherz wie mir einfach himmlisch. So mischt die aus Kettering in England stammende Band deren Musik sich dem Genre des Psychedelic Rock zuordnen lässt, die sich am Pop der 1960er Jahre orientiert auch Stoner Rock als Bestandteil in Ihre Musik und lässt Rock Herzen jeder Generation höher schlagen. Temples - merkt euch den Namen und lernt bei dieser Musik - Da stellt sich mir die Frage, was für ein Phänomen es ist, dass die besten Musiker aus England zu kommen scheinen? ?! Just incredible!

wichtige Informationen zu den Festivalgewinner findet Ihr zudem hier:

«Demo of the Year 2019» geht an Asbest aus Basel
864 Künstlerinnen und Künstler hatten ihre Demos für den Nachwuchs¬wettbewerb Demotape Clinic 2019 eingereicht. Erfahrene Branchenprofis kommentierten öffentlich am Freitag- und Samstagnachmittag eine Auswahl von 60 Songs. Die mit je 3000 Franken dotierten «Fondation-Suisa-Awards» haben gewonnen:
 

 

● Kategorie Rock: Asbest aus Basel
● Kategorie Urban: Cobee aus Bern
● Kategorie Electronic: La Colère aus Genf
● Kategorie Pop: Quiet Island aus Genf


Den mit 5000 Franken dotierten Hauptpreis «Demo of the Year» ging an Asbest aus Basel. Untenstehend sieht man zudem glückliche Gesichter von glücklichen Gewinnern! m4music ich danke dir!! Auf ein Nächstes! Untenstehend findet Ihr noch eine Gallerie als Slideshow- welches einige der Momente darstellt, welche wir erleben durften.