2020 - Ein Weg mit Stolpersteinen

Wer hätte es an Silvester gedacht, dass dieses Jahr in die Geschichte eingehen wird? 2020 wird besser als 2019, dachte ich. Ich werde alle meine persönlichen Ziele erreichen, vielleicht etwas zu sportliche Ziele. Ziele, welche ich wohl auch dieses Jahr zu hoch angesetzt habe. Ohne das mir bewusst ist, welchen Druck ich mir dadurch selbst mache. Dann dieses Virus. Plötzlich. Omnipräsent und überall. Niemand wusste damit umzugehen. Niemand. Nicht genügend Desinfektionsmittel, nicht genügend Masken. China. Why?

Danach der Lockdown im Frühling wo so manches Gefüge ins Wanken gebracht hat. Wie auch mein eigenes. Veränderungen im Job, Kurzarbeit, dann die Kündigung. Kostensparen. Zu teuer: Ein Schlag in die Magengrube. Byebye Herzensprojekt. Aushalten musst du es, es wird schon, passiert jedem mal. Nur geschah dies im Jahr der Jahre, dem Corona-Jahr.

Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Gin Tonic daraus. Dies habe ich mir dann als Vorsatz genommen, den Menschen ins Gesicht gelacht und meine Zweifel, den Frust und die Enttäuschung irgendwie in Sport, Aktivitäten, Freunde treffen und Trinken umgewandelt.

Immerhin kann ich dann genug Zeit mit meinen noch jungen Katzen verbringen, dachte ich. Ausserdem kann ich meinen sportlichen Interessen endlich vollkommen nachgehen. So war es auch. Wakesurfen, meine neue Leidenschaft. Lange Sommerferien. Surfen. Zudem durfte ich mit Freunden und einem besonderen Menschen eine ganz tolle Zeit mit vielen Erlebnissen teilen und habe ein (ja, man kann darüber richtig froh sein wie ich gemerkt habe) sehr starkes und intaktes Umfeld.

Nichts desto trotz hiess es ab Mai - Jobsuche. An mir selbst arbeiten. Das erste mal im Leben arbeitslos. Bewerbungdossier erstellen. Portfolio zusammenstellen. Tausend Dinge. Arbeitslosenkasse zahlt nicht und somit ist das Geld plötzlich knapp. Nachfragen, dran bleiben, kämpfen. Nachtessen oder Wochenende mit Freunden müssen abgesagt werden.

Nach diversen Jobabsagen steigt der Frust, die Enttäuschung. Nicht persönlich nehmen. Weitermachen und gute Miene behalten. Sonst läuft man mir weg, sonst bin ich nicht mehr interessant, dachte ich. Eines Tages wurde mein CV auf Englisch verlangt, ich sollte diesen umkrempeln. Neues Ziel, und so habe ich gekrempelt was das Zeug hielt. Dann der grosse RAV Starter Kurs. Erwartet habe ich nicht viel und trotzdem viel Know-how und tolle Menschen kennengelernt. Irgendwie wurde mir das Thema CV dann doch etwas zu viel. Ja, das Wort Lebenslauf ist schon fast veraltet. Da verbessern, hier verbessern. Frustriert sein über meine Situation, tausend Gefühle, Lächeln. Neues Layout und Design, Motivationsbrief ungenügend. So knallte ich noch einige Stunden in die Tasten und ins Designprogramm, habe sämtliche Dokumente  verbessert. Inzwischen ist es Mitte Oktober und ich komme in den Genuss erster Vorstellungsgespräche. Wäre dies vor Corona nicht anders verlaufen? Aktiv bewerben musste ich mich bis heute noch nie! Was beruhigt ist zu wissen, dass es ganz vielen hunderttausend Leuten in der Schweiz genau so geht. We are not alone. Eine neue Erfahrung, im wohl geschichtsrächtigsten Jahr der 2000er Jahre.

Kommentare: 2
  • #2

    Estelle (Mittwoch, 14 Oktober 2020 20:43)

    Oja, so erging es mir auch schon. Und wie du schreibst, hunderttausend anderen Leuten in der Schweiz auch. Du bist -gerade jetzt- nicht allein. Was dich aber aus dieser Menge herausstechen lässt: du hast einen einzigartigen USP, der von den sozialen Kompetenzen bis zu den fachlichen Kompetenzen alles abdeckt! Freue sich der Arbeitgeber, der bei dir das Rennen machen wird! LG

  • #1

    Simi (Mittwoch, 14 Oktober 2020 18:21)

    Kann Dir seeeehr gut nachfühlen, geht mir in einigen Dingen gleich. Wir sehen uns hoffentlich bald.
    Grüsse